Ausstellungsverbot
für kupierte Hunde und Hunde mit sogenannten Qualzuchtmerkmalen

Infor­ma­tio­nen für Aus­stel­ler – Stand Juli 2026

Abge­stimmt mit dem Vete­ri­när­amt der Stadt Kas­sel, Dr. Purkl

Nach § 10 Satz 1 der Tier­schutz-Hun­de­ver­ord­nung (TierSch­HuV) ist es ver­bo­ten, Hun­de aus­zu­stel­len oder Aus­stel­lun­gen mit Hun­den zu ver­an­stal­ten,

1. bei denen Kör­per­tei­le, ins­be­son­de­re Ohren oder Rute, tier­schutz­wid­rig voll­stän­dig oder teil­wei­se ampu­tiert wor­den sind.

> Aus­stel­lungs­ver­bot für kupier­te Hun­de

Aus­nah­men sind nur bei jagd­lich geführ­ten Hun­den mög­lich, wenn der Ein­griff für die vor­ge­se­he­ne jagd­li­che Nut­zung uner­läss­lich war, sowie bei einer medi­zi­nisch not­wen­di­gen Ampu­ta­ti­on. In bei­den Fäl­len sind ent­spre­chen­de Nach­wei­se vor­zu­le­gen.

2. bei denen erb­lich bedingt Kör­per­tei­le oder Orga­ne für den art­ge­mä­ßen Gebrauch feh­len, untaug­lich oder umge­stal­tet sind und hier­durch Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den auf­tre­ten.

> Aus­stel­lungs­ver­bot für Hun­de mit soge­nann­ten Qual­zucht-Merk­ma­len

Die nach­fol­gen­den Rege­lun­gen die­nen der Umset­zung der Bestim­mun­gen nach §10 Tier­schutz-Hun­de­ver­ord­nung. Das Aus­stel­lungs­ver­bot für Hun­de mit soge­nann­ten Qual­zucht­merk­ma­len ori­en­tiert sich am Erlass des Hes­si­schen Minis­te­ri­ums für Land­wirt­schaft und Umwelt (HMLU) vom März 2026 in Ver­bin­dung mit den Leit­li­ni­en der AG Tier­schutz (AGT)*, aktu­el­len Erfah­rungs­wer­ten sowie Hin­wei­sen von Fach­in­sti­tu­tio­nen. Das Kon­zept und die For­mu­la­re wer­den nach der Aus­stel­lung wei­ter­ent­wi­ckelt.

* Leit­li­ni­en zur Aus­le­gung und zum Voll­zug des Aus­stel­lungs­ver­bots von § 10 der Tier­schutz-Hun­de­ver­ord­nung — Voll­zugs­emp­feh­lun­gen für die zustän­di­gen Behör­den zur Beur­tei­lung der rechts­kon­for­men Umset­zung der Ein­hal­tung des Ver­bots des § 10 TierSch­HuV, AG Tier­schutz (AGT) der Län­der­ar­beits­ge­mein­schaft Ver­brau­cher­schutz (LAV), Stand: 10. 2025

1. Welche Untersuchungen benötigt mein Hund?

Ob für Ihren Hund vor der Aus­stel­lung eine tier­ärzt­li­che Vor­ab-Unter­su­chung erfor­der­lich ist, rich­tet sich nach Ras­se und Alter.

Ist Ihr Hund älter als ein Jahr und sei­ne Ras­se in der „Über­sichts­lis­te Allg. Kli­ni­sche Unter­su­chung“ auf­ge­führt?
Dann muss vor der Aus­stel­lung eine All­ge­mei­ne Kli­ni­sche Unter­su­chung durch­ge­führt und tier­ärzt­lich beschei­nigt wer­den.

Ist die Ras­se Ihres Hun­des zusätz­lich in der „Über­sichts­lis­te Spe­zi­al­un­ter­su­chun­gen“ auf­ge­führt?
Dann sind zusätz­lich die dort für die jewei­li­ge Ras­se genann­ten Spe­zi­al­un­ter­su­chun­gen bzw. Belas­tungs- / Fit­ness­tests erfor­der­lich.

Ist die Ras­se Ihres Hun­des nicht in die­sen Lis­ten auf­ge­führt?
Dann muss grund­sätz­lich kei­ne tier­ärzt­li­che Vor­ab-Beschei­ni­gung vor­ge­legt wer­den. Auf der Aus­stel­lung fin­den jedoch stich­pro­ben­ar­ti­ge Kon­trol­len statt. Die­se kön­nen Hun­de aller Ras­sen betref­fen – unab­hän­gig davon, ob eine tier­ärzt­li­che Vor­un­ter­su­chung vor­ge­schrie­ben war.

2. Allgemeine Klinische Untersuchung

Für Hun­de, die in der „Über­sicht­lis­te All­ge­mei­ne Kli­ni­sche Unter­su­chung“ auf­ge­führt und älter als ein Jahr sind, muss vor der Aus­stel­lung eine All­ge­mei­ne Kli­ni­sche Unter­su­chung durch­ge­führt wer­den.

Die Unter­su­chung dient einer fach­li­chen und neu­tra­len Befund­er­he­bung. Dabei wird fest­ge­stellt, ob Hin­wei­se auf soge­nann­te Qual­zucht­merk­ma­le vor­lie­gen. Als Aus­le­gungs­hil­fe wer­den auch die Leit­li­ni­en der AG Tier­schutz (AGT) her­an­ge­zo­gen.

Die Unter­su­chung und die kon­kre­ten Befun­de müs­sen durch die Tier­ärz­tin oder den Tier­arzt auf dem For­mu­lar „All­ge­mei­ne Kli­ni­sche Unter­su­chung“ doku­men­tiert wer­den. Das For­mu­lar wur­de ent­spre­chend den Merk­mals­vor­ga­ben der AGT-Leit­li­ni­en über­ar­bei­tet und die Befund­er­he­bung – bei­spiels­wei­se zu Ruten­län­ge, Gebiss­sta­tus oder Haar­lo­sig­keit – kon­kre­ti­siert: Neu­es (über­ar­bei­te­tes) For­mu­lar.

Gül­tig­keit der Beschei­ni­gung

Die Beschei­ni­gung über die All­ge­mei­ne Kli­ni­sche Unter­su­chung wird grund­sätz­lich aner­kannt, wenn die Unter­su­chung zum Zeit­punkt der Aus­stel­lung nicht län­ger als zwei Jah­re zurück­liegt.

Für bestimm­te, in der Ras­se­lis­te ent­spre­chend gekenn­zeich­ne­te Ras­sen gel­ten abwei­chen­de bzw. erleich­ter­te Rege­lun­gen zur Gül­tig­keit. Maß­geb­lich sind die Anga­ben in der „Über­sichts­lis­te All­ge­mei­ne Kli­ni­sche Unter­su­chung“.

Wel­ches For­mu­lar gilt 2027?

Grund­sätz­lich ist für neu durch­ge­führ­te Unter­su­chun­gen das neue (über­ar­bei­te­te) For­mu­lar „All­ge­mei­ne Kli­ni­sche Unter­su­chung“ zu ver­wen­den. Für bereits vor­han­de­ne Beschei­ni­gun­gen gel­ten für die Aus­stel­lung 2027 fol­gen­de Über­gangs­re­ge­lun­gen:

Situa­ti­on

Rege­lung

Die vor­han­de­ne Beschei­ni­gung ist am
9. und 10. Janu­ar 2027 älter als zwei Jah­re.

Neue Unter­su­chung auf neu­em For­mu­lar erfor­der­lich, ins­be­son­de­re bei Beschei­ni­gun­gen, die ab dem 15.08.2026 (Datum der Ver­öf­fent­li­chung auf der Web­site des VDH LV Hes­sen) aus­ge­stellt wer­den

Es liegt eine noch gül­ti­ge Beschei­ni­gung auf
dem bis­he­ri­gen („alten“) For­mu­lar vor.

Kann grund­sätz­lich wei­ter­hin aner­kannt wer­den

Aus­nah­men

Eng­li­sche Bull­dog­ge, Fran­zö­si­sche Bull­dog­ge, Bos­ton Ter­ri­er oder soge­nann­te Nack­t­hun­de

Neu­es For­mu­lar erfor­der­lich (selbst wenn ein bereits aus­ge­stell­tes „altes“ Beschei­ni­gungs­for­mu­lar vor­han­den ist, das noch inner­halb der Gül­tig­keits­dau­er von zwei Jah­ren liegt)

Cava­lier King Charles Spa­ni­el

Neu­es For­mu­lar erfor­der­lich (selbst wenn ein bereits aus­ge­stell­tes „altes“ Beschei­ni­gungs­for­mu­lar vor­han­den ist, das noch inner­halb der Gül­tig­keits­dau­er von zwei Jah­ren liegt)

Plus Zusatz­blatt Chia­ri-Mal­for­ma­ti­on / Syrin­go­mye­lie

Ab 2028

Aus­schließ­lich neu­es For­mu­lar

Bei den aus­drück­lich genann­ten Ras­sen ist das neue For­mu­lar somit auch dann erfor­der­lich, wenn bereits eine Beschei­ni­gung auf dem bis­he­ri­gen („alten“) For­mu­lar vor­liegt, die noch inner­halb der zwei­jäh­ri­gen Gül­tig­keits­dau­er liegt.

Bei wei­te­ren Ras­sen mit ange­bo­re­nen Kurz­ru­ten ist zu beach­ten:

Wenn bei Ras­sen mit ver­ein­zel­tem Auf­tre­ten ange­bo­re­ner Kurz­ru­ten – bei­spiels­wei­se Welsh Cor­gi Pem­bro­ke oder Aus­tra­li­an She­p­herd – noch das bis­he­ri­ge („alte“) Beschei­ni­gungs­for­mu­lar vor­ge­legt wird (weil es noch inner­halb der Gül­tig­keits­dau­er liegt), muss auf dem For­mu­lar zusätz­lich eine kon­kre­te Anga­be zur Ruten­län­ge gemacht wer­den: Aus der Beschei­ni­gung muss her­vor­ge­hen, ob die Ruten­län­ge min­des­tens die Hälf­te des Abstan­des von der Ruten­ba­sis bis zur Höhe des Knie­ge­lenks beträgt.

Bit­te beach­ten Sie:

Nach den Leit­li­ni­en der AGT ist eine Aus­stel­lung nicht mög­lich,

wenn die Ruten­län­ge erb­lich bedingt nicht min­des­tens die Hälf­te des Abstan­des von der Ruten­ba­sis bis zur Höhe des Knie­ge­lenks beträgt,

wenn erb­lich beding­te voll­stän­di­ge oder teil­wei­se Haar­lo­sig­keit („Nackt­heit“) vor­liegt.

In Ein­zel­fäl­len kann zusätz­lich Bild- bzw. Foto­ma­te­ri­al ange­for­dert wer­den.

3. Spezialuntersuchungen und Belastungs- / Fitnesstests

Für bestimm­te Ras­sen, die in der „Über­sichts­lis­te Spe­zi­al­un­ter­su­chun­gen“ auf­ge­führt sind, sind zusätz­lich zur All­ge­mei­nen Kli­ni­schen Unter­su­chung wei­te­re tier­ärzt­li­che Unter­su­chun­gen erfor­der­lich:

U4: ortho­pä­disch-neu­ro­lo­gi­scher Unter­su­chungs­gang
U5: Herz­ul­tra­schall bzw. EKG
U7: Belas­tungs-/Fit­ness­test für kurz­na­si­ge Ras­sen (Brachy­ce­pha­les Syndrom/BOAS)

Wel­che Unter­su­chun­gen für die jewei­li­ge Ras­se erfor­der­lich sind, ab wel­chem Alter sie durch­ge­führt wer­den müs­sen und wie lan­ge die Beschei­ni­gun­gen gül­tig sind, ergibt sich aus der „Über­sichts­lis­te Spe­zi­al­un­ter­su­chun­gen“.

Das Beschei­ni­gungs­for­mu­lar für die Spe­zi­al­un­ter­su­chung U4 (ortho­pä­disch-neu­ro­lo­gi­scher Unter­su­chungs­gang) wur­de über­ar­bei­tet: Neu­es For­mu­lar. Für die Spe­zi­al­un­ter­su­chung U4 ist grund­sätz­lich nur noch das neue For­mu­lar zu ver­wen­den, nur die­ses kann aner­kannt wer­den.

Belas­tungs-/Fit­ness­test (U7)

Als Belas­tungs-/Fit­ness­test ist der stan­dar­di­sier­te Cam­bridge-Belas­tungs­test (Cam­bridge Respi­ra­to­ry Func­tion Gra­ding Sche­me/­BO­AS-Gra­ding) zuge­las­sen. Eben­falls zuge­las­sen ist der stan­dar­di­sier­te Lauf­band-Fit­ness­test. Die jewei­li­gen Unter­su­chungs­stel­len ver­fü­gen über die ent­spre­chen­den For­mu­la­re; die­se Beschei­ni­gun­gen sind vor­zu­le­gen.

Ande­re Belas­tungs- bzw. BOAS-Tests kön­nen nur aner­kannt wer­den, wenn aus dem Befund­be­richt nach­voll­zieh­bar her­vor­geht, dass

der Test stan­dar­di­siert durch­ge­führt wur­de,

Atem­ge­räu­sche sowohl in Ruhe als auch nach Belas­tung durch Aus­kul­ta­ti­on / mit dem Ste­tho­skop über­prüft wur­den und

der Steno­se­grad der Nasen­öff­nun­gen nach dem Bewer­tungs­sche­ma nach Liu et al. 2016 beur­teilt und doku­men­tiert wur­de (das Bewer­tungs­sche­ma ist im Anhang des For­mu­lars „All­ge­mei­ne Kli­ni­sche Unter­su­chung“ ent­hal­ten).

4. Einreichung der Unterlagen

Die erfor­der­li­chen Beschei­ni­gun­gen sind bei der Anmel­dung zur Ras­se­hun­de­aus­stel­lung vor­zu­le­gen oder spä­tes­tens bis zum 3. Mel­de­schluss nach­zu­rei­chen.

Die Beschei­ni­gungs­for­mu­la­re müs­sen voll­stän­dig und ein­deu­tig aus­ge­füllt sein. Andern­falls kön­nen sie nicht aner­kannt wer­den. Die aktu­el­len For­mu­la­re sowie die Lis­ten der betrof­fe­nen Ras­sen ste­hen auf der Infor­ma­ti­ons­sei­te zur Ver­fü­gung.

5. Kontrollen auf der Ausstellung

Lie­gen die vor­ge­schrie­be­nen tier­ärzt­li­chen Vor­un­ter­su­chun­gen voll­stän­dig und nach­voll­zieh­bar vor, kön­nen die Hun­de grund­sätz­lich am Ring star­ten. Eine umfas­sen­de Ein­lass­un­ter­su­chung ist nicht vor­ge­se­hen. Unab­hän­gig davon erfol­gen auf der Aus­stel­lung aller­dings stich­pro­ben­ar­ti­ge Kon­trol­len im Hin­blick auf auf­fäl­li­ge Merk­ma­le / soge­nann­te Qual­zucht­merk­ma­le (ins­be­son­de­re, wenn Hun­de trotz vor­ge­leg­ter Unter­su­chungs­be­schei­ni­gun­gen auf­fäl­lig sind.

Die­se Kon­trol­len kön­nen Hun­de aller Ras­sen betref­fen – auch sol­che, für die kei­ne tier­ärzt­li­che Vor­un­ter­su­chung vor­ge­schrie­ben ist. 

Im Rah­men der stich­pro­ben­ar­ti­gen Kon­trol­len wird ins­be­son­de­re auf fol­gen­de ana­to­mi­sche Ver­än­de­run­gen bzw. Sym­pto­me geach­tet:

Ruten­län­ge,

voll­stän­di­ge oder teil­wei­se Haar­lo­sig­keit (Alo­pe­zie),

patho­lo­gi­sche Atem­ge­räu­sche, Atem­not oder Zei­chen einer gestör­ten Ther­mo­re­gu­la­ti­on,

Brachy­ce­pha­les Syn­drom,

Rötun­gen oder Ent­zün­dun­gen im Bereich der Augen sowie über­mä­ßi­gen Trä­nen­fluss,

Ektro­pi­um (Hän­gelid) bzw. Makro­ble­pha­ron mit Sym­pto­ma­tik,

Entro­pi­um (Roll­lid) mit Sym­pto­ma­tik,

Exo­ph­thal­mus oder Mikro­ph­thal­mus,

sons­ti­ge Augen­ver­än­de­run­gen oder ein­ge­schränk­tes Seh­ver­mö­gen,

ent­zünd­li­che Haut­ver­än­de­run­gen oder über­mä­ßi­ge Haut­fal­ten­bil­dung,

ent­zünd­li­che Ohren­ver­än­de­run­gen oder über­lan­ge Schlapp­oh­ren,

Mer­le-Fär­bung oder ras­se­un­ty­pisch über­wie­gend wei­ßes Fell,

Taub­heit oder ande­re neu­ro­lo­gi­sche Sym­pto­me,

Lahm­hei­ten oder Bewe­gungs­an­oma­lien, bei­spiels­wei­se auf­grund rele­van­ter Erkran­kun­gen wie Hüft­ge­lenks­dys­pla­sie (HD), Wir­bel­ver­än­de­run­gen oder Disko­pa­thien.

6. Ausschluss von der Ausstellung

Auf­fäl­li­ge Hun­de mit rele­van­ten Erkran­kun­gen im Sin­ne des § 10 Nr. 2 TierSch­HuV kön­nen durch den Amts­tier­arzt oder den Ver­an­stal­ter von der Ver­an­stal­tung aus­ge­schlos­sen wer­den. In die­sem Fall muss der Hund den Ring bzw. die Aus­stel­lung ohne Bewer­tung ver­las­sen. Den Anwei­sun­gen des VDH bzw. der Aus­stel­lungs­lei­tung, der Bewer­tungs­rich­ter und des Amts­tier­arz­tes ist Fol­ge zu leis­ten.

Die Bewer­tungs­rich­ter sind dar­über hin­aus ange­wie­sen, die Breed Spe­ci­fic Ins­truc­tions (BSI) zu beach­ten und umzu­set­zen. Bei den dort auf­ge­führ­ten Ras­sen wird ins­be­son­de­re auf Gesund­heit und Funk­tio­na­li­tät sowie auf mög­li­che gesund­heits­ge­fähr­den­de Über­trei­bun­gen von Ras­se­merk­ma­len geach­tet.