Bestimmungen für Hunde mit Übertypisierungmerkmalen

Nach § 10 Satz 1 der Tierschutz- Hundeverordnung ist es verboten, Hunde auszustellen oder Ausstellungen mit Hunden zu veranstalten.

  1. bei denen Körperteile, insbesondere Ohren oder Rute, tierschutzwidrig vollständig oder teilweise amputiert worden sind ( ⇒ Reglementierung von kupierten Hunden )

oder

  1. bei denen erblich bedingtKörperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten ( ⇒ Reglementierung von Hunde mit Übertypisierungsmerkmalen)
    Achtung: Diese Bestimmung gilt erstmals seit 2022 !!!!)

Aufgrund der neuen 'Bestimmungen für Hunde mit Übertypisierungsmerkmalen' gilt Folgendes (das Konzept und die Formulare sind vorläufig und werden nach der Ausstellung weiterentwickelt):

  1. Klinische Allgemeinuntersuchungen bzw. Spezialuntersuchungen vor einer Hundeausstellung

Für jeden zur Ausstellung angemeldeten Hund muss eine tierärztliche klinische Untersuchung (klinische Allgemeinuntersuchung) durchgeführt werden, mit der festgestellt werden soll, ob Hinweise auf Übertypisierungs- bzw. Qualzucht-Merkmale vorliegen. Die Durchführung dieser klinischen Untersuchung muss mit dem nachfolgenden Formular tierärztlich bescheinigt werden. Vordruck: Klinische Allgemeinuntersuchung

Das Formular muss bei der Anmeldung zur Rassehundeausstellung vorgelegt oder spätestens bis 10.11.2022 nachgereicht werden.

Gültigkeit der Bescheinigung *Klinische Untersuchung*: Die Bescheinigung *Klinische Untersuchung* wird anerkannt, wenn die Untersuchung nicht länger als 1 Jahr zurückliegt (falls Sie das Formular z. B. schon für andere Ausstellungen in Auftrag gegeben und verwendet haben).

Für bestimmte Rassen und Merkmale müssen zusätzlich zur klinischen Untersuchung weitergehende tierärztliche Spezialuntersuchungen (U4, U5 und/oder U6) durchgeführt werden und die Bescheinigung darüber ebenfalls bei der Anmeldung zur Rassehundeausstellung vorgelegt oder spätestens bis 10.11.2022 nachgereicht werden. Je nach Rasse müssen eine oder mehrere solcher Spezialuntersuchungen durchgeführt und nachgewiesen werden. Vordruck: Bescheinigung Spezialuntersuchung (U4-U6.)

Für kurznasige Rassen muss bzgl. des Brachycephalen Syndroms (BOAS) zusätzlich zur klinischen Untersuchung ein Belastungstest/ Fitnesstest (U7) durchgeführt werden und die Bescheinigung darüber ebenfalls bei der Anmeldung zur Rassehundeausstellung vorgelegt oder spätestens bis 10.11.2022 nachgereicht werden. Vordruck: Untersuchungsbogen Belastungstest U7

Liste mit betroffenen Rassen, für die solche zusätzlichen Spezialuntersuchungen (U4, U5 und/ oder U6) bzw. ein Belastungstest/ Fitnesstest (U7) erforderlich sind:

Übersicht Rassen - Notwendige Untersuchungen

Stand August 2022 U4 U5 U6 U7
Affenpinscher X
Belgischer Griffon X
Boston Terrier X
Brabanter Griffon X
Brüsseler Griffon X
Cavalier-King-Charles-Spaniel X
Chihuahua X
Deutsche Dogge X
Dobermann X
English Bulldog X
Französische Bulldogge X
Irish Wolfhound X
Japan Chin X
King-Charles-Spaniel X
Mops X
Pekingese X
Teckel X X
Yorkshire Terrier X
Zwergpudel X
Zwergschnauzer X
U4

Untersuchung
Orthopädische /neurologische Untersuchung

Merkmal
Bandscheibenerkrankungen /Diskopathie

Frequenz
Jährlich ab dem 4. Lebensjahr

U5

Untersuchung
Echokardiographie EKG / bei Dobermann 24 Std. EKG

Merkmal
(primäre) Dilatative Kardiomyopathie

Frequenz
Alle 2 Jahre ab dem 3. Lebensjahr

U6

Untersuchung
Bei vorliegen eines syst. Herzgeräusches: Echokardiographie

Merkmal
Degenerative Mitralklappenerkrankung /Mitralklappendokardiose

Frequenz
Cavalier-King-Charles-Spaniel ab dem 4. Lebensjahr jährlich, die anderen Rassen ab dem 6. Lebensjahr jährlich

U7

Untersuchung
VDH-Belastungstest bzw. nach Einführung VDH-Fitnesstest, Respiratory Function Grading Scheme (Cambridge)

Merkmal
BOAS

Frequenz
Alle 2 Jahre

In den Sektionen U4-U7 können Sie auch ersehen, welche Gültigkeitsdauer die *Bescheinigung Spezialuntersuchung* bzw. der *Untersuchungsbogen Belastungstest* jeweils hat bzw. in welcher Frequenz diese (Spezial-)Untersuchungen durchzuführen sind.

Die Zuchtrichter sind angewiesen, strikt die Breed Specific Instructions – BSI zu beachten und umzusetzen, d. h. sie werden bei den dort aufgeführten Rassen besonders auf Gesundheit und Funktionalität achten. Bei Rassen, die in den BSI aufgeführt sind, besteht ein besonderes Risiko hinsichtlich gesundheitsgefährdender Übertreibungen der Rassemerkmale sowie bezüglich einer irreführenden Interpretation des Standards. Informationen zu den Breed Specific Instructions – BSI

 

2. Stichprobenartige Kontrollen während der Ausstellung

Wir weisen darauf hin, dass wir an beiden Ausstellungstagen verstärkt entsprechende tierschutzrechtliche Kontrollen durchzuführen.
Es werden außerdem amtstierärztliche Kontrollen erfolgen.

Unabhängig von der Vorlage der Untersuchungsformulare können Tiere mit relevanten Erkrankungen i. S. d. § 10 Nr. 2 TierSchHuV, die bei der Untersuchung nicht erkannt wurden, durch das zuständige Veterinäramt oder den Veranstalter im eigenen Ermessen von der Veranstaltung ausgeschlossen werden. Werden bei Hunden im Rahmen der Ausstellung Übertypisierungs- bzw. Qualzuchtmerkmale festgestellt, müssen diese ohne Bewertung den Ring bzw. die Ausstellung verlassen. Den Anweisungen des VDH/ der Ausstellungsleitung, der Zuchtrichter und des Amtstierarztes ist strikt Folge zu leisten.

Die Meldegebühr wird in diesen Fällen nicht erstattet.

Relevante anatomische Veränderungen/Symptome, auf die im Rahmen der stichprobenartigen Überprüfung vor Ort besonders geachtet wird, sind insbesondere:

  • Atemnot, pathologische Atemgeräusche und Zeichen einer gestörten Thermoregulation
  • Brachycephales Augensyndrom
  • Rötungen/Entzündungen im Bereich des Auges
  • Ektropium/Makroblepharon mit Symptomatik
  • Entropium mit Symptomatik
  • Exophthalmus, Mikrophthalmus
  • Entzündliche Hautveränderungen
  • Rutenlänge (muss ausgerollt den After bedecken)
  • Taubheit oder andere neurologische Symptome
  • Lahmheiten/Bewegungsanomalien, z. B. aufgrund relevanter Erkrankungen wie:
    • Hüftgelenksdysplasie
    • Ellenbogengelenksdysplasie
    • Wirbelveränderungen
    • Diskopathien

Hintergrund- Info:
Aufgrund einer Änderung der Tierschutz-Hundeverordnung (§ 10 Nr. 2) gilt das Ausstellungsverbot für Hunde mit Übertypisierungs- bzw. Qualzucht-Merkmalen in 2022 erstmalig. Ziel der Bestimmung ist es, Übertypisierungen und damit extreme Zuchtrichtungen bzw. Übertreibungen der Rassemerkmale zu unterbinden.
Wir bitten um strikte Beachtung der Regelungen und um ihr Verständnis: Schließlich haben wir alle gemeinsam das Ziel, dass Rassehundeausstellungen auch in Zukunft etablierte Veranstaltungen bleiben und gesellschaftlich akzeptiert werden. Die Reglementierung von Hunden mit Übertypisierungsmerkmalen trägt letztendlich langfristig zu einer solchen gesellschaftlichen Akzeptanz von Rassehundeausstellungen bei!